Mittelstufe – detailreiche Informationen

Die Basis für eine individuelle Persönlichkeits- und Schulentwicklung

Nachfolgend finden Sie detailreiche Informationen zur Mittelstufe und dem Konzept an der freien Waldorfschule Aalen. Gerne können Sie mit Fragen auf uns zukommen.

Das pädagogische Konzept
Um das zwölfte Lebensjahr herum erscheint bei den Kindern die Fähigkeit zu einer neuen eigenen Urteilsfindung. Sie beobachten die äußere Welt, nehmen die Wahrnehmungen in sich auf und bilden sich Begriffe dazu. Der Unterricht wird also, didaktisch gesehen, zunehmend versachlicht, wobei die Schüler jedoch noch viel Hilfe und Beistand für den Umgang mit ihrem eigenen erwachenden Seelenleben brauchen; das gilt vor allem ab der Zeit der beginnenden Pubertät.

Ein zweites, mehr methodisches Element der Mittelstufe wird jetzt von großer Bedeutung: Das Üben! Im Deutsch- und im Fremdsprachenunterricht muss die erlernte Grammatik anhand zahlreicher Beispiele erübt und gefestigt werden; dasselbe gilt auch für die Mathematik.

Pubertätsalter - Erdenreife
Die Erscheinungen der Pubertät werden in der heutigen Zeit vorwiegend an den körperlichen und seelisch-emotionalen Veränderungen der Jugendlichen festgemacht. Dabei wird besonders die Rolle der Erotik und Sexualität hervorgehoben, und eine daran gut verdienende Industrie bedient längst all die „Trends“ wie Kleidung, Kosmetik, Musik, Medien, etc.

Auf diese Erscheinungen wollen wir hier nicht näher eingehen, sondern auf ein anderes umso wichtigeres Phänomen blicken: Der junge Mensch wird geschlechtsreif, d. h. er kommt in die Lage, durch Zeugung, Schwangerschaft und Geburt seinesgleichen hervorzubringen. Dies ist aber nur der Teil eines noch umfassenderen Zeugungsprozesses: Jetzt können nämlich auch eigene Gedanken hervorgebracht und in die Welt gesetzt werden. Natürlich gab es auch schon vorher eigene Gedanken, diese aber dachten sich im Kindesalter „wie von selbst“. Es erwächst in dem jungen Menschen eine großartige Gewissheit: Meine Gedanken sind meine eigenen Geschöpfe! Und was wird in diesem Alter nicht alles gedacht! Es können hohe, hehre, leuchtende Ideale sein – aber auch gedankliche Abgründe! Die Pubertät ist die Geburt des Astral- oder Seelenleibes, also der Freiwerdung jenes Wesengliedes, das der Träger ist aller Empfindungen, Leidenschaften, Begierden. Jugendliche sind manchmal selbst entsetzt darüber, was ihnen plötzlich an heimlichen, früher nie gekannten Wünschen durch die Seele zieht und in ihren Vorstellungen Platz beansprucht. Noch ist das vierte Wesensglied, das Ich, nicht geboren, d. h. frei geworden und kann daher nicht wirklich regulierend eingreifen. Daher braucht es noch moralische Instanzen von außen. Der junge Mensch braucht seine Eltern, seine Lehrer und die Kultur der ihn umgebenden Mitmenschen, die ihm in dieser Lage Sicherheit geben.

Rudolf Steiner nannte die Geschlechtsreife auch Erdenreife. Die Gedanken der Jugendlichen sollen sich mit Interesse auf die Realitäten um sie herum richten können und nicht nur auf den eigenen Körper!

Welt-Interesse, vermittelt durch fähige Lehrerpersönlichkeiten, das hilft den Pubertierenden am besten durch diese kurze aber schwierige Phase ihrer Biografie. Vor diesem Hintergrund muss man den gesamten Unterricht des siebten und achten Schuljahres sehen.

Pädagogische Aspekte
Die Fächer- und Stoffesfülle dieser beiden Jahre ist enorm, daher sollen nur ein paar Schlaglichter die wichtigsten Entwicklungsschritte beleuchten. Der Geschichtsunterricht setzt bei der beginnenden Neuzeit ein (Zeit der Renaissance und des Humanismus) und sollte am Ende der Achten bei der Gegenwart ankommen. Statt Zahlen und Fakten zu pauken, lernen die Schüler geschichtliche Symptomatologie. Dies bedeutet, das Geschichte dann transparent und spannend wird, wenn Fakten aufgezeigt werden, die in ihrem Zusammenwirken eine bestimmte Entwicklung möglich machen, die uns heute mitbetreffen. So wurde zum Beispiel der Beginn eines neuen globalen Weltbildes durch die Entdeckungsfahrten des 15. Jahrhunderts initiiert, und diese wurden erst möglich durch moderne nautische Instrumente (Kompass, Quadrant etc.), durch neue Schiffstechniken und durch eine ganze Reihe bedeutsamer „Zufälle“. Die Jugendlichen, die selber seelisch im Aufbruch sind, werden dieser Art Geschichtserzählung und den darin erscheinenden Kausalitäten interessiert folgen.

Kommt dann der erste Chemie-Unterricht, so fällt dies in einen Entwicklungsabschnitt, in dem sich in der eigenen Körperlichkeit ohnehin vieles umstellt, sowohl hormonell wie auch in der ganzen Leibesstruktur. Durch Beobachtung der im Experiment gezeigten Phänomene beginnt ein tieferes Verstehen der Stoffeswelt. Würden nur Theorien vorgegeben und chemische Vorgänge mittels Formelberechungen erklärt werden, dürfte es den Schülern schwer fallen, unmittelbares Interesse zu entwickeln. Was aber im Experiment beobachtet und dann denkend zur Begriffsbildung gebracht wurde, hat sich der Schüler wirklich zu Eigen gemacht. Das Gleiche gilt auch für die Physik, die Biologie und weitere Fächer. In der Mathematik kann man bei der nun einzuführenden Algebra sogar von einer „Chemie der Zahlen“ sprechen: Gleichungen lassen sich lösen, indem man mit Hilfe der bereits bekannten Rechengesetze allgemeine Zahlen (sog. „Platzhalter“) links und rechts des Gleichheitszeichens hinüber- und herüberschafft. Welch ein Freiheitsgefühl, mit so etwas souverän umzugehen zu können und zu erleben, dass es eigentlich gar nicht schwer ist! Wichtig sind auch in diesem Alter Biografien aller Art. Dazu eignet sich fast jedes Unterrichtsfach, nicht nur die Fächer Deutsch und Geschichte.

Im siebten Schuljahr beginnt mit dem Küchenpraktikum eine lange Reihe verschiedener Praktika, die sich bis in die elfte Klasse fortsetzen: Eine Woche lang arbeiten jeweils zwei Schüler in der Schulküche und erleben somit einen professionellen Betrieb, indem sie mit dem Personal in voller Länge mitarbeiten.… Hinterher sind sie meist so müde, dass der eine und andere schon im Bus einschläft… Aber nun wird das Essen mit anderen Augen gesehen. Die eigenen Erlebnisse haben vieles zurechtgerückt!

Im achten Schuljahr folgt das Wald- oder Forstpraktikum: Eine Woche und mehr im Wald arbeiten, in einfacher Unterkunft leben, Essen nach Forstarbeitermanier! Ist der Förster gleichzeitig ein Pädagoge, so kann er die Jugendlichen mit dem Lebensraum Wald, der uns in unserer Zivilisation immer fremder wird, aufs Neue zusammen bringen. Hier geht erst recht die Arbeit „an die Knochen“, noch ganz anders als im Küchenpraktikum. Und darum geht es auch: Die Vierzehnjährigen müssen ihren Leib spüren, das bringt sie in die Realität! Ein weiteres Hauptprojekt des achten Schuljahres stellt die Jahresarbeit dar, bei der die Schüler selbständig recherchieren, sammeln, verarbeiten, formulieren und das Ganze schließlich präsentieren müssen. Für manchen eine Plackerei, aber auch eine wichtige Selbsterfahrung! Diese Jahresarbeit und die Einstudierung eines Theaterspiels (Klassenspiel) macht den Schüler erlebbar, wie man durch eisernen Willen über sich hinauswachsen kann. Das Schuljahr beschließt eine Klassenfahrt. In dem Abschluss der Unter- und Mittelstufenzeit, empfinden die Achtklässler eine stille Befriedigung an allem, was sie bisher geleistet haben. Es ist eine kurze Zeit des Innehaltens, eine Ahnung vom Erwachsen-Werden, auch Neugier auf das Kommende, denn nach den Sommerferien werden sie in der Oberstufe – ein bisschen wie damals in der 1. Klasse – wieder die Jüngsten sein.

Das siebte Schuljahr
Der Drang, die Welt immer weiter entdecken und verstehen zu wollen ist eine Entwicklungskraft, die die Situation der Schüler in der siebten Klasse prägt und von den Epochen entsprechend aufgegriffen wird. Experimente und naturwissenschaftliche Beobachtungen stehen deshalb beispielsweise in den Fächern Physik und Chemie im Vordergrund. In dieser Phase finden in Klasse 7 die Praktika ihren Anfang.

• Begleitung durch Klassenbetreuer aus dem Mittelstufenkollegium

• Beginn der Praktika

Fächer und Epochen

Deutsch, Englisch, Französisch/Russisch, Mathematik, Physik, Geschichte, Geografie, Handarbeit, Turnen, Eurythmie, Musik, Chor, Malen, Werken, Übstunden, Chemie, Biologie, Kochen

• Algebra und Gleichungslehre

• Akustik und Optik

• Versuche mit Feuer

• Trommeln

Projekte

Eurythmiemärchen mit Aufführungen

Praktika

Küchenpraktikum eine Woche

Das achte Schuljahr

Der Achtklässler befindet sich nun am Übertritt zum Jugendalter. Diese besondere Situation wird mit dem Klassenspiel und den Herausforderungen der Jahresprojektarbeit begleitet und belebt. Doch wie kann parallel zu und nach diesen großen Ereignissen Unterricht stattfinden? Eine spannende Herausforderung, die im guten Austausch von Schülern und Pädagogen mit passenden Epochen in der achten Klasse gelingt.

Fächer und Epochen

Deutsch, Englisch, Französisch/Russisch, Mathematik, Physik, Biologie, Turnen, Eurythmie, Musik, Trommeln, Chor, Malen, Werken, Übstunden, EDV, Schneidern

• Skelett und Muskeln

• Balladen

• Herstellen eines beweglichen Spielzeugs

• Nähmaschinennähen

Projekte

Klassenspiel mit Kulissenbau und Aufführungen

Jahresprojektarbeit

Praktika

Forstpraktikum eine Woche

Flyer Mittelstufe

Oberstufe

Die Klassenstufen 9 bis 13 – alle staatlich anerkannten Abschlüsse möglich.

Abschlüsse

Abitur, Fachhochschulreife, Mittlere Reife, Hauptschulabschluss.

Schulwechsel

Schulwechsler willkommen!
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